Das Kloster in Johannesbrunn kann mittlerweile auf eine über hundertjährige, abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken. In seinen Ursprüngen geht das Kloster auf eine Grundstücksschenkung einer Frau Agnes Thanner zurück:
- 1860 vermachten Anna Maria Nagl und die ledige Bauerstochter Agnes Thanner der Expositur Johannesbrunn die verschuldete „Wimmer- oder Thannersölde“, die sie bis dahin gemeinsam besaßen. Die Schenkung war an folgende Auflagen gebunden:
Auf dem Anwesen mit 61 Tagwerk Grund sollte ein kleines Frauenkloster errichtet werden. Die beiden Stifterinnen sollten das Wohnrecht behalten und vollständig verpflegt werden. Von Maria Nagl weiß man bisher nichts. Agnes Thanner, Tochter von Adam und Monika Thanner wurde am 01.01.1824 in Johannesbrunn geboren. Sie blieb ledig, starb am 23. Februar 1860 im Alter von 36 Jahren an Nervenfieber und wurde von Expositus Dichtl am 25. Februar 1860 begraben.
- 1860/61 Expositus Georg Dichtl erwirbt das mit 4550 Gulden belastete Anwesen um 6050 Gulden mit Genehmigung der Diözese als privates Eigentum.
- 1861/62 Bau eines „kleinen Klosters“ unter Expositus Georg Dichtl (seit 1856 in Johannesbrunn). Dieses noch eingeschossige Gebäude war das Vorgängergebäude des jetzigen Klostersüdflügels.
- 1864-67 Unter Georg Dichtl erfolgt Grundsteinlegung, Bau und Einweihung der Johannesbrunner Kirche „Maria Immaculata“
- 1862 ( andere Quellen berichten von 1872) Übergabe des Klosters an Schwestern der „Servitinnen“ aus München. Der Servitenorden nennt sich auch „Orden der Diener Mariens“. Der Orden der Servitinnen sollte in diesem Gebäude ewige Anbetung halten und einen Schulbetrieb für den eigenen Nachwuchs beginnen. Zu einem Schulbetrieb für die Dorfbevölkerung in diesem Gebäude dürfte es nicht gekommen sein, da in dieser Zeit in Johannesbrunn immer ein eigenes Schulgebäude nachzuweisen ist. Möglich ist aber, daß Schwestern in diesen Schulen unterrichtet haben.
- 1879 mußten die Servitinnen das Kloster wieder verlassen, da die Regierung von Niederbayern das Niederlassungsrecht verweigert hatte.
Schon damals gab es Probleme mit der Nutzung des Klosters. Die von Expositus Dichtl versuchte Ansiedlung von Karmeliterinnen mißlang und so stand das Gebäude volle zwölf Jahre leer.
- Am 12 Juli 1889 stirbt Georg Dichtl. Als Erben setzte er das Kloster Ronning ein. Das Kloster erhielt aber von der Regierung von Niederbayern keine Genehmigung zur Niederlassung.
Nach dem Testament hatte nun Pfarrer und Dekan Braun aus Gerzen das Erbe zu übernehmen.
Dekan Georg Braun (1858-1927), von 1889 bis 1895 Expositus in Johannesbrunn, war, soweit es die Nutzung des Klosters betraf erfolgreicher als sein Vorgänger. Dieser nahm Verbindung mit dem Konvent der Barmherzigen Brüder auf, welcher sich nach eingehender Besichtigung des Klostergebäudes und des Bauernhofes im Juli 1890 bereit erklärte, in Johannesbrunn eine Niederlassung zu gründen. Da nun täglich ein Pater für eine Frühmesse zur Verfügung stehen würde, fand das Vorhaben bei der Kirche und Dorfbevölkerung große Unterstützung. Es gab aber wieder unerhörte Schwierigkeiten mit der Regierung und nur dem unermüdlichen Einsatz einflußreicher Persönlichkeiten, vor allem Gräfin Seinsheim-Sünching, verwitwete Gräfin von Montgelas, ist es zu verdanken, daß am 4. November 1891 der Zustimmungserlaß der Königlichen Regierung von Niederbayern eintraf.
- 1891 Mit dem Einzug der Barmherzigen Brüder begann die eigentliche Blütezeit des Klosters in Johannesbrunn. Der Konvent der Barmherzigen Brüder eröffnete ein Versorgungsheim für "Mannspersonen (mit Ausschluß der Frauenspersonen), die irgendwie einer Pflege bedürfen, krüppelhafte, bresthafte, temporär Kranke, Unheilbare, Gemeindearme, Gebrechliche zu einer Arbeit nicht mehr taugliche, gegen ein mäßiges Honorar, das immer kleiner wird, je mehr sich die Anstalt hebt und Vermögen gewinnt."
Zu dieser Zeit betrug der gesamte Grundbesitz 70 Tagwerk.

- 1892-1910 In den Folgejahren konnte das Vermögen des Klosters durch das Sammeln von Almosen das Erben von Besitztümern frommer Leute wesentlich gesteigert werden. Damit waren Umbauten innerhalb des Klostergebäudes sowie Renovierungen und Erweiterungsbauten der Ökonomie sowie eine Vergrößerung des Grundbesitzes möglich.
- 1911 Die Finanzkraft des Klosters wuchs bis 1911 so stark, daß Prior Alipius Grafwallner das Kloster durch den Bau eines neuen Westflügels wesentlich erweitern konnte. Dieser schloß direkt an den Altbau und die Kirche „Maria Immaculata„. In diesem Neubau befand sich auch die eigene Hauskapelle. Daran anstoßend errichtete man ein Nebengebäude mit Wäscherei und Metzgerei.
Ebenfalls in diesem Jahre wurde auch ein neuer Ökonomiehof erbaut, welcher mittlerweile 160 Tagwerk bewirtschaftete und neben Obstanbau eine Bienen- und Fischzucht betrieb.

- 1912 Erster Weltkrieg.
Neben einigen Versorgungsschwierigkeiten bei Benzin, Petroleum und Lebensmitteln ging der 1. Weltkrieg schadlos am Kloster vorüber. Offensichtlich waren einige Brüder auch im militärischen Einsatz. Sie kehrten glücklicherweise gesund zurück. Zu dieser Zeit bestand die Ordensgemeinschaft aus 12 Fratres bei 67 Pfleglingen.

- Am 4. Februar 1929 war im Altbau ein mit Holzwolle isoliertes Wasserleitungsrohr eingefroren. Durch das Auftauen mit einer offenen Flamme entstand ein Schwelbrand, welcher zu einem Gebäudebrand führte. Trotz Einsatz der Feuerwehr und der Dorfbewohner brannte der Dachstuhl und der erste Stock des Gebäudes nieder. Die Schneiderei mit allem Inventar und den Stoffen brannte aus, die Küche und das Refektorium waren nicht mehr zu benutzen.
- 1930/31 ließ Prior Valerian Schönmann nach diesem Brand den Südflügel um ein Stockwerk erhöhen und einen östlichen Anbau mit einem Steherker errichten. Zu diesem Zeitpunkt wurden 100 Pfleglinge von 11 Fratres betreut.

- 1933 Die Propaganda des Dritten Reiches hinterließ auch Spuren im Kloster Johannesbrunn. Mehrere Pfleglinge und auch zwei Fratres verließen in dieser Zeit das Kloster. Einer versuchte sogar, einige seiner Mitbrüder wegen staatsfeindlicher Äußerungen zu denunzieren. .
- Im August 1941 werden aus dem Kloster 33 geistig Behinderte mit Lkws nach Mainkofen gebracht. Ihre Ermordung im Zuge der Euthanasie ist zu vermuten. Einige Pfleglinge können gerettet werden, weil sie als unentbehrliche Arbeitskräfte in der Landwirtschaft „benötigt“ werden.
- Ab dem Jahre 1944 führte der Mangel an Lebensmitteln und Gebrauchsmitteln zu einschneidenden Maßnahmen im Kloster. Zündhölzer, Schuhbänder, Seife, Kleider, Waschpulver und Kohlen waren nicht mehr zu bekommen, ebenso Limonade, Wurst und Rauchtabak. Die Amerikaner benahmen sich nach der Besetzung unserer Gegend gegenüber dem Kloster sehr höflich und zuvorkommend. Das Klostergebäude wurde von ihnen niemals betreten. Obwohl in der Nähe des Dorfes mehrere Bomben eingeschlagen hatten, hatte das Kloster den Krieg unbeschadet überstanden.
Die Zahl der Pfleglinge steigt bis 1955 auf 150, bei nur noch neun überalterten Fratres.
- 1965 Obwohl in den Jahren 1962 bis1965 noch kräftig in das Heim und in den Ökonomiehof investiert wurde (Heizung, Traktor, Mähdrescher usw.), brachte das Provinzkapitel ein erschütterndes Ergebnis. Die Auflösung der Versorgungsanstalt Johannesbrunn und der Verkauf des gesamten Grundbesitzes wurde nun zur Gewißheit. Die Überalterung der Ordensgemeinschaft und der damit verbundene Personalmangel (6 Fratres versorgten 136 Pfleglinge), vielleicht auch die nicht mehr zeitgemäße Ausstattung des Heimes, begründeten schließlich die Auflösung des Klosters und im Jahre 1967 die Verlegung der Pfleglinge u Fratres nach Algasing.
Damit ging auch für die Johannesbrunner Bevölkerung eine über siebzigjährige Ära zu Ende. Wenn auch das Ortsbild oft von behinderten Menschen geprägt wurde und das Wort "Klosterer" bei den Schulkindern oft als Schmähwort verwendet wurde, so konnten sich die Dorfbewohner mehr mit den Heiminsassen identifizieren als mit der später folgenden Ära der Asylbewerber.
Damit ist aber die Geschichte des Klostergebäudes Johannesbrunn noch nicht ganz zu Ende. In 1969 wurden die Gebäude an die Firma Röderstein verkauft, welche diese als Wohnheim für ihre ausländischen Arbeitnehmer nutzte.
Im Jahre 1979 wurde dann das Gebäude vom bayerischen Staat erworben und bis zum Jahre 1996 als Durchgangswohnheim für Asylbewerber genutzt. Es wurden bis zu 250, häufig wechselnde, Asylsuchende verschiedener Nationalitäten und Kulturkreise untergebracht. Dies bedeutete eine absolute Überfremdung des Ortes. Aufgrund der Tatsache, daß in dem Heim 14 verschiedene Nationalitäten untergebracht wurden, kam es unter den Ausländern selbst und auch zwischen den Ausländern und den Dorfbewohnern zu erheblichen Problemen.


Diese Zeit hat nicht nur bei manchem Johannesbrunner, sondern auch an der Innenausstattung des Klostergebäude bleibende Spuren hinterlassen.

1996 wurde das Asylbewerberheim aufgelöst und die Asylsuchenden verlegt. Die Gebäude wurden im Jahre 2000 in die Liste der zu schützenden Denkmäler aufgenommen und stehen bis heute leer.
Mit dem Kauf des Gebäudes am 26. Februar 2001 durch die Gemeinde Schalkham hoffen nun alle Bewohner dieser Gegend, daß im Zuge der derzeit laufenden Dorferneuerung das Gebäude wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt und damit eine neue Blütezeit erleben wird.

Besuch aus der Vergangenheit
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