| Die überkommene Grundstruktur des Dorfes ist gegenüber der historischen Momentaufnahme des Extraditionsplans von 1844/45 anschaulich erhalten geblieben. Das historische Wegenetz ist im Ortsbereich nahezu vollständig überliefert und dient nach wie vor als bauliche Leitlinie und zur Erschließung der Anwesen. Die früher dominierende landwirtschaftliche Prägung des Dorfes ist in der Bausubstanz deutlich erkennbar. Die historischen Ortseingansgsituationen sind durch neue Gebäude entlang der aus dem Dorf führenden Straßen weitgehend verloren gegangen. Einzig am nördlichen und westlichen Ortsrand ist die historische Situation erhalten geblieben.
Der orts- und regionaltypische Haus- und Formenschatz wird in den Neubauten vielfach nicht aufgegriffen oder weiterentwickelt. Der Schwerpunkt des heutigen Siedlungswachstums liegt in Lichtenhaag im wesentlichen auf der Hügelkuppe am östlichen Ortsrandes. Als städtebauliche Leitlinien und bauliche Orientierung dienen die bestehenden Ausfallstrassen, im Norden die Hauptstrasse und im Osten die Leberskirchener Strasse bzw. der Lindenweg, im Süden die Vilsbiburger Strasse und der Weiherweg. Auffallend ist, daß die 1844/45 vorhandenen innerörtlichen Verbindungswege bis heute nur unwesentlich ergänzt wurden. Der Siedlungsbereich südlich des Schlosses war bis zur östlichen Kreuzung ununterbrochen. Nach Abbruch des großen Anwesens der Tafernwirtschaft (Hs.-Nr. 33) an der Kreuzung und kleinem Ersatzbau, führt dort heute die Lerchenstrasse nach Süden in ein Baugebiet. Es haben sich im übrigen Ortsbereich nur mehr sehr wenige Gebäude auf alten Grundrissen erhalten, dies ist vor allem die Schlossanlage (Seyboldsdorfer Strasse 8), die Wieskapelle mit dem Mesnerhaus (Kapellenweg 8 und 6) und die ehem. Mühle (Hauptstrasse 16). In den Jahren 1959/1960 wurde anstelle des Vorgängerbaues die heutige St. Nikolauskirche errichtet. Dabei blieb der Glockenturm des Vorgängerbaues als freistehender Turm bestehen. Der Kirchenneubau wurde ebenfalls mit einem freistehenden Glockenturm errichtet, so daß die St.-Nikolaus-Kirche in Lichtenhaag über zwei, den an der nördlichen Giebelseite befindenden Haupteingang flankierende Türme verfügt. Zu den auf alten Grundrissen erhalten gebliebenen Gebäuden zählt zudem das Anwesen Hs.-Nr. 40.
Die Neuansiedlungen beschränken sich im wesentlichen auf den südöstlichen Ortsrand. Die ehemals südlich vom historischen Ort abgesetzten Anwesen (Hs.-Nr. 1, 1 1/2, 2, 3) sind durch die neue Bebauung in das Dorf integriert worden. Am südlichen Ortsrand hat sich in den Bereichen zwischen der Seyboldsdorfer Strasse und der Vilsbibuger Strasse bis zur Feldstrasse in den letzten Jahrzehnten eine ringförmige Siedlungserweiterung ergeben, die bis zur ehemals ausserhalb des Ortes gelegenen Wieskapelle reicht. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich bei den Neubauten um Wohngebäude, neue Landwirtschaftliche Anwesen sind nicht errichtet worden.
Mehrere An- und Neubauten im Ort haben zu einer baulichen Verdichtung beigetragen, dabei ist die Zahl und Größe der landwirtschaftlichen Nebengebäude stark gestiegen. Die kleine Vils hat ihren Lauf entlang des nördlichen Ortsrandes gegenüber dem Zustand auf dem Extraditionsplan von 1844/45 im wesentlichen beibehalten. Die ehemals teilweise kleingliedrige Flur des Dorfes ist heute flurbereinigt. Die im Norden in den Ort führende Hauptstrasse bildet mit dem Lindenweg eine ringförmige Erschliessung des gesamten Ortskerns. Von dieser zweigen im Westen die Seyboldsdorfer-, im Süden die Vilsbiburger-, und im Osten die Leberskirchener Strasse ab. Das historische Ortsbild prägende Bauten und Räume (Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf die jeweilige Eintragung in die Karte “Denkmalpflegerische Interessen”)
Der separat stehende Turm der Katholischen Filialkirche St. Nikolaus (Pfarrer-Grabinger-Weg 1, Hs.-Nr. 22), Nebenkirche von Gerzen, aus dem 15. Jahrhundert, bildet mit seinem schlichten Satteldach den ursprünglichen Mittelpunkt von Lichtenhaag. Aufgrund der topographischen Lage besitzt der Ort mit der Schlossanlage und den charakteristischen 2 Türmen der Kirche St. Nikolaus eine große Fernwirkung im Tal der kleinen Vils. Der Friedhof wurde nach Westen erweitert. An dessen südlichen Rand liegt das zum Strassenraum der Hauptstrasse orientierte Kriegerdenkmal.
Nördlich der Haupstrasse 19 belegt eine weitläufige Streuobstwiese in ostexponierter Hanglage die steileren Hangabschnitte zum Strassenraum. Durch diese Streuobstwiese erschliesst der Pfarrer-Grabinger-Weg (Nr. 3) den traditionellen Kirchenzugang von Osten.
Die katholische Kirche St. Florian (Kapellenweg 8, Hs.-Nr. 1) am nördlichen Ortsrand, die sogenannte Wieskapelle, ist ein Barockbau aus dem Jahr 1686. Das Mesnerhaus (Kapellenweg 6, Hs-Nr. 1) ist ein Wohnstallhaus im Blockbau aus dem Ende 18. Jahrhundert/Anfang 19. Jahrhundert und bildet mit der Wieskapelle eine Baugruppe. Der mit vielen Auszeichnungen versehene Garten des Mesnerhauses ist der Öffentlichkeit nach Anfrage zugänglich und beherbergt eine buddhistische Stupa
Die historische Ortseingangsituation ist besonders im Norden bei der Hauptstrasse erlebbar geblieben. Der Wasserlauf der kleinen Vils (Nr. 1) und die ehem. Mühle sind hier aufgrund der gegenüber dem Extraditionsplan nahezu unveränderten Situation hervorzuheben. Am westlichen Ortsrand ist die historische Ortseingangssituation mit Blick auf das Schloss zumindest in Ansätzen noch erkennbar geblieben. Am südlichen und östlichen Ortsrand ist durch die inzwischen verdichtete Bebauung der historische Ortsrand nicht mehr zu erkennen. Die, durch die Topographie des Nordhanges bedingten, gewundenen Strassenräume bilden zwischen den Gebäuden einen langgezogenen Strassenraum, der durch die traufständigen Wohn- und Nebengebäude und die vielfältigen Blickbeziehungen auf die Dorfkirche noch verstärkt wird. Die alte Schmiede Hauptstrasse 6, prägt den Strassenraum der Hauptstrasse besonders deutlich, da diese mit dem gegenüberliegenden Anwesen den Strassenraum kurz unterhalb der Hangkante einengt und Hangabwärts den Blick in das Tal der kleinen Vils und auf die Kirchenanlage öffnet. Neben den erhaltenen historischen Straßenräumen trägt der vergleichsweise niedrige Anteil an älterer Bausubstanz zur Erlebbarkeit des historischen Ortsbildes in Lichtenhaag bei. Im Baubestand lässt sich der bäuerliche Charakter des Dorfes nur teilweise ablesen. Die Hofform der alten Höfe im Dorf ist der Vierseit-, seltener der Einfirst- und Hakenhof. Die älteren Gebäude lassen sich mit wenigen Ausnahmen zur Gruppe der Wohnstallhäuser zuordnen, wobei der Blockbau die durchgängige Bauweise ist. Traufseitige Erschließung und flachgeneigte Satteldächer sind kennzeichnend. Schrote kommen häufiger vor. Im Erdgeschoss liegt der Blockbau häufig unter Putz oder ist in Massivbauweise ausgeführt.
Bei den älteren Anwesen ist der Typ des Querhauses durchgängig (beispielsweise Lindenweg 11, 16, Hauptstrasse 32, Seyboldsdorfer Strasse 40). Als solche werden Wohnstallhäuser bezeichnet, die traufseitig erschlossen sind. Stube und Küche liegen an einer Giebelseite und die Flez trennt Wohn- und Stallteil. Die meisten der noch existierenden alten Häuser wurden im 19 und Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Die älteren Gebäude im Dorf sind zumindest im Obergeschoss in Blockbauweise ausgeführt. Das älteste Gebäude in Lichtenhaag ist die Schloßanlage Seyboldsdorfer Strasse 8. Die Vierflügelanlage um einen kleinen Innenhof aus dem späten Mittelalter wurde im 17./18. Jahrhundert ausgebaut und befindet sich in Privatbesitz. Die historische Wirkung der Schlossanlage bezieht sich in erster Linie auf die Fernwirkung. Aufgrund der dichten Bepflanzung mit Riegelwirkung des Schlossparkes ist die optische Wirkung aus der Nähe nur eingeschränkt gegeben. Blickbezüge auf die Schlossanlage sind aufgrund der Nachbarbebauung lediglich vereinzelt möglich.
1840 setzte sich im Isar-Inn-Hügelland allmählich die Ziegelbauweise durch (Ortmeier 1995, S 25 ff.). Ziegel sind das durchgängige Baumaterial. In dieser Entwicklungslinie leisteten sich zunächst die größeren Anwesen Ziegelbauten, wie dies in Lichtenhaag anschaulich nachgezeichnet werden kann. Beispiele für gemauerte Wohnhäuser sind Hauptstrasse 32 und Seyboldsdorfer Strasse 40, Beispiele für massiv gemauerte Wohngebäude aus dem 19. Jahrhundert sind die Kleinbäuernhäuser Lindenweg 8 und Leberskirchener Strasse 5. Der noch erhaltene Sonderbau der ehem. Mühle Hauptstrasse 16 wurde im Erdgeschoss gemauert, das Obergeschoss wurde in Blockbauweise errichtet. Dieses Anwesen wird heute als Wohnhaus genutzt. Einige mächtige Satteldachscheunen, entstanden im 20. Jahrhundert, sind Zeichen für die Intensivierung der Landwirtschaft. Dazu zählt die giebelständige Satteldachscheune Hauptstrasse 27 und die traufständige Satteldachscheune Hauptstrasse 26.
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